21.01.2008

Die Kelle des Spediteurs – John Spedition Eichenzell – CargoLine-Zentral-Hub


Die Hub-Struktur einer Stückgut-Kooperation basiert auf einem exakten Zusammenspiel von Daten- und Warenströmen. Moderne Informationstechnologie und engagierte Mitarbeiter sind hier die Schlüssel zum Erfolg.


Die 35 Scanner im Süd-Hub Göppingen der Stückgut-Kooperation CargoLine (s. Kasten) sehen auf den ersten Blick ganz normal aus. Wie in fast allen europäischen Umschlagshallen erfassen die Mitarbeiter die Barcodes aller ein- und ausgehenden Sendungen mit Hilfe mobiler Datenerfassungsgeräte. Normal ist auch die Anbindung der Geräte an ein lokales Funknetz, das in Göppingen über zwei Access Points (siehe Kasten) angesteuert wird. In diesem Fall führt das Netz jedoch nicht zu einem lokalen Rechner. Die Hallen-Scanner sind stattdessen über ein Wide Area Network (WAN) direkt mit der Software-Applikation auf dem Server eines 300 Kilometer entfernten Rechenzentrums verbunden.

Betreiber des Rechenzentrums am Standort Niederaula ist die active logistics GmbH. Im „active solution center“ werden die Daten im Auftrag von CargoLine in einer Informix-Datenbank gespeichert und von dort über das System „CEPRA II“ allen CargoLine-Partnern zur Verfügung gestellt. CEPRA ist das Track & Trace-System von CargoLine. Damit können Packstücke jederzeit in Echtzeit über das Internet in der Logistikkette lokalisiert und Zustellquittungen digital abgerufen werden. Im active solution center läuft diese Lösung auf hochverfügbaren IBM-Rechnern der i-series. active logistics arbeitet seit zwei Jahrzehnten mit der Informix-Technologie von IBM, die als sehr ausgereift und extrem zuverlässig glt.

Das gleiche Prinzip wendet CargoLine im Nord-Hub Hannover und im Zentral-Hub Eichenzell an. Zwischen den 28 Scannern in Hannover und dem Rechenzentrum liegen immerhin 200 Kilometer, während die 70 Geräte in Eichenzell nur 40 Kilometer vom Rechner entfernt sind. „Wenn die Technik steht, spielt die Entfernung aber überhaupt keine Rolle mehr“, sagt Klaus Schröder, Geschäftsführer der John Spedition in Eichenzell.

 

 

Die John Spedition ist Gründungsmitglied von CargoLine und Betreiber des Zentral-Hubs Eichenzell, das aufgrund seiner zentralen Lage für diese Aufgabe prädestiniert ist. Die 1992 gebaute Speditionsanlage wird auf diese Weise sehr effizient genutzt:

Tagsüber wird hier der komplette Geschäftsbetrieb der John Spedition abgewickelt und in der Zeit zwischen 21:00 und 02:00 Uhr steht die Anlage dann dem CargoLine Hub-and Spoke-System als Zentral-Hub zur Verfügung.

Für die 62 nationalen und europäischen Partner der CargoLine ist die Speditionsanlage jede Nacht die zentrale Anlauf- und Umschlagstelle für rund 900 Tonnen Stückgut aus dem CargoLine-Netzwerk. Zusätzlich werden im Nord- und Süd-Hub weitere 40 Prozent des gesamten Sendungsaufkommens aus dem Hub-and-Spoke-System umgeschlagen, die den Standort Eichenzell entlasten.

Wenn die insgesamt 80 bis 90 Lkw im „Halbstunden-Takt“ in Eichenzell eintreffen, wird der Zentral-Hub an jedem Abend zur Bühne eines perfekt inszenierten Schauspiels. Die Ent- und Beladung der so genannten Regelzüge, Doppel-Einspeiser und die Verladung von Überhangmengen erfordern eine präzise und ausgefeilte Organisation.

Die Sendungsdaten stehen in Eichenzell zu diesem Zeitpunkt längst zur Verfügung. Schließlich sind die 62 nationalen und europäischen Einspeis-Depots verpflichtet, die Versanddaten direkt nach der Verladung bereitzustellen. Bis spätestens 19.00 Uhr muss dieser zeitkritische Vorgang abgeschlossen sein. Dies geschieht per DFÜ an das Rechenzentrum in Niederaula. Hier werden die Daten durchgeleitet zum jeweiligen Empfangs-Depot. Ein weiterer Datentransfer geht zum Zentral-Hub.

Dort fließen die Informationen in das Transportmanagement-System TMS von active logistics. Das TMS ermöglicht die grafische Disposition, so dass alle Aufträge anhand der Postleitzahlen der Empfangsorte auf einer Karte angezeigt werden. Die einzelnen Touren werden dann per „Drag and Drop“ gebildet und den jeweiligen Lkw zugeordnet.

Schröder ist sich der Bedeutung der Informationstechnologie bewusst. „Ohne Software könnten wir unseren Betrieb schließen. Die Informationstechnologie ist für uns ein Handwerkszeug wie die Kelle für den Maurer“, vergleicht der Spediteur. Gerade deshalb arbeite er an einem konsequenten Auslagern dieser Funktion an active logistics. „In Zukunft wird bei uns kein eigener Server mehr stehen“, kündigt er an. Schließlich sei das Betreiben der Technik nicht die Kernkompetenz eines Logistik-Dienstleisters.

 

Hintergrund: CargoLine Zu dem internationalen Stückgut-Netzwerk CargoLine gehören bundesweit 46 Systempartner mit der gleichen Anzahl an Depots. Der Stückgut-Umschlag erfolgt am Süd-Hub Göppingen, dem Nord-Hub Hannover sowie dem Zentral-Hub Eichenzell. Ausgehend von diesen drei Orten liefert die Kooperation in jeder Nacht flächendeckend rund 1.500 Tonnen Stückgut nach einem genauen Zeitplan aus. Die 1993 gegründete Organisation bietet Leistungsvarianten wie NightLinePlus oder NightLine NextDay. Mit einer zunehmenden Anzahl an kooperierenden Speditions- und Logistikunternehmen in ganz Europa baut CargoLine das Transportnetz weiter aus.